Viele Würfe und hartes Krafttraining für WM-und EM Zweiten in Löffingen
Auf dem Wurfplatz des Löffinger Haslachstadions fliegen täglich die Hämmer auf mächtige Weiten. Der Weltklasseathlet Merlin Hummel bereitet sich mit seiner Trainerin Kathrin Klaas auf das Saisonfinale in Budapest vor. Vor kurzem holte er sich in Birmingham bei den Europameisterschaften Silber mit 81,30 Meter und trug zum besonders erfolgreichen Abschneiden des deutschen Teams bei, das ansehnliche 21 Medaillen einsammeln konnte.
Silbermedaillen in Tokio und Birmingham
Ein Jahr zuvor hatte er in Tokio bei der WM fast sensationell ebenfalls Silber hinter dem zurzeit weltbesten Werfer Ethan Katzberg aus Kanada geholt. Seine Trainerin Kathrin Klaas, die neben ihrer Tätigkeit beim Hessischen Leichtathletikverband und Eintracht Frankfurt einige weitere deutsche Spitzenathleten betreut, war bereits öfter als Spitzenathletin in Löffingen bei Lehrgängen dabei. Sie hatte bei den olympischen Spielen in London als Vierte mit 76,05 Meter ihren sportlichen Höhepunkt.
Die Löffinger Anlagen nutzten in den letzten Jahrzehnten bereits viele Spitzenwerfer wie Heinz Weis, Christoph Sahner, Kasten Kobs und die ehemalige Weltrekordlerin Betty Heidler zur Vorbereitung auf die Wettkampfhöhepunkte. Auch ein Schweizer Rekord wurde auf dem Hammerwurfplatz erzielt. Patric Suter schleuderte 2003 das 7,26 Kilo schwere Eisengerät auf 80,51 Meter.
Vielseitige Trainingsbedingungen locken Teams an
Jedes Jahr kommen mehrere Teams aus Deutschland und der Schweiz zu Trainingsmaßnahmen auf die vielseitigen Anlagen im Löffinger Haslachstadion, der Leichtathletikhalle und den beiden Krafträumen im Stadion und oberhalb der Kunstturnhalle. Die Unterbringung in Löffinger Beherbergungsbetrieben wird ebenfalls sehr geschätzt.
Die Verbindungen zu den Vereinen und den Landes- und Bundeskadern kommen durch den Abteilungsleiter Ottmar Heiler zustande, der über Jahrzehnte als Verbandstrainer im Hammerwerfen tätig war. Im und um den Löffinger Standort sind die deutschen Seniorenmeister in dieser Disziplin Natascha Wolf, Luzia Burgbacher und Maik Arendt sowie die Nachwuchswerferinnen Laura Hübsch, Amelie Oschwald und Nele Zahn sehr erfolgreich.
In einer Trainingspause beantwortete Merlin Hummel zusammen mit Kathrin Klaas einige Fragen:
Wie bist du mit dem bisherigen Verlauf der diesjährigen Saison zufrieden?
Hummel: In diesem Jahr lief es im Training und im Wettkampf sehr gut. In fast allen Wettkämpfen konnten Weiten um die international geforderten Weiten um die 80 Meter realisiert werden. Dies gelang deswegen, weil die Zubringerwerte aus dem Krafttraining und den Würfen mit unterschiedlichen Gewichten einfach gestimmt haben.
Bei der EM haben sie nach den 3 Versuchen im Vorkampf noch kräftig zittern müssen, als sie nach 75,49 Meter noch nicht die notwendige Qualifikationsweite erzielt hatten. Erst nach den Ergebnissen der zweiten Gruppe erreichten sie knapp das Finale der besten 12 Werfer.
Hummel: Zu einem weiten Wurf um die 80 Meter muss in den 4 Drehungen und beim Abwurf alles zusammenpassen. Dies gelang dann erst so richtig im Finale im vorletzten Versuch. Ich konnte mich in einem nervlich recht strapazierten Wettbewerb erst im 5. Versuch auf die Silberweite von 81,30 Meter steigern. Zur Siegesweite des Ungarn Bence Halasz, der mit 84,25 Meter einen überraschenden Coup landete, hat es aber nicht gereicht. Erfreulich war weiterhin bei diesem Wettkampf, dass auch mein Trainingskamerad Sören Klose das Finale erreicht hatte und sich als Sechster auf 78,13 Meter verbesserte.
Wie ist der Wechsel vom langjährigen Trainer Martin Ständner aus Kulmbach nach Frankfurt zur Werfergruppe um Bundestrainerin Kathrin Klaas gelungen?
Hummel: Wie ich schon mehrfach betont habe, verdanke ich Martin für meine Entwicklung sehr, sehr viel. Aber ich wollte mal etwas Neues ausprobieren. Von der ersten Trainingseinheit an hat es mit Kathrin prima funktioniert. Hinzu kam, dass mein Bruder Matti, inzwischen auch erfolgreicher Nachwuchswerfer, mit nach Frankfurt gekommen ist. In der Trainingsgruppe, zu der unter anderem auch die aktuell beste deutsche Hammerwerferin Aileen Kuhn gehört, herrscht eine sehr gute und harmonische Atmosphäre, die sich motivierend auf die ganzjährige Trainingsarbeit und die Wettkämpfe auswirkt. Der Großverein Eintracht Frankfurt hat eine gute und leistungsfördernde Struktur und macht viel für seine Athleten.
Wie sieht die Vereinbarung zwischen Training und der beruflichen Laufbahn bei Ihnen aus?
Hummel: Ich bin in der Sportfördergruppe der Bundeswehr für die sportlichen Aktivitäten abgesichert und erfahre viel Verständnis und Entgegenkommen. Nebenher bewältige ich noch ein Fernstudium im Bereich der anwandten KI, die ich auch in die Trainingsplanung mit einfließen lasse.
Frage an Bundestrainerin Kathrin Klaas: Wo liegen die Trainingsschwerpunkte im langfristigen Training von Merlin?
Klaas: „Hammerwerfen lernt man nur durch Hammerwerfen“. Diese einfache Formulierung stammt aus der Feder des ehemaligen Elitewerfers Anatoli Bondartschuk, der nach seiner medaillengespickten Laufbahn sich als Trainer und Promoter im Hammerwerfen einen Namen gemacht hat. Das Hammerwerfen als eine der schwierigsten leichtathletischen Disziplinen erfordert ein hohes Maß an Technik, Kraft und koordinativen Grundlagen. Ähnlich wie bei Katzberg ist das tägliche Werfen daher dominierend. Hohe Wiederholungszahlen auch mit Würfen mit verschiedenen Drahtlängen und Gewichten sind eingeplant. Dazu kommen intensives Hanteltraining und Schnellkraftübungen im Stadion oder im Winter in der Halle.
Wie sieht die Entwicklung im Hammerwerfen in den kommenden Jahren aus?
Klaas: Das EM-Jahr ist meist nicht das Jahr von Spitzenleistungen. Im kommenden Jahr mit den Weltmeisterschaften und 2028 mit den olympischen Spielen in Los Angeles wird die Leistungsspitze mit Sicherheit zunehmen. Auch der „uralte“ Weltrekord von Jury Sedych aus dem Jahr 1986 (86,74 Meter bei EM in Stuttgart) wird wohl gebrochen werden. Ich werde versuchen, in diesen 2 Jahren mich noch weiterzuentwickeln. Ein attraktives Ziel wäre einmal Gold statt Silber bei diesen Großereignissen.
Was schätzen sie an den Löffinger Sportstätten?
Hummel und Klaas: In der Ruhe und Abgeschiedenheit lässt hervorragend trainieren. An den Frankfurter Anlagen ist das konzentrierte Werfen wegen dauerndem Lärm von startenden und landenden Flugzeugen und durch die naheliegenden Zugstrecken nicht immer störungsfrei. Verpflegung und Übernachtung und die örtliche Betreuung in Löffingen kann man ebenfalls loben.
Was kommt in Budapest auf euch Hammerwerfer zu?
Hummel / Klaas: Bei dieser „Ultimate Championship“ vom 11.bis 13.September treten die weltbesten Athletinnen und Athleten zum Saisonende gegeneinander an. Es sind die Olympiasieger, Welt- und Europameister sowie die Disziplinbesten des Gesamtjahres vertreten, die in 26 Disziplinen an 3 Abenden aufeinandertreffen. Das neue Format mit ausschließlich Endkämpfen soll Spannung pur bewirken. Showelemente und innovative optische Effekte werden für besondere Werbung zur dieser olympischen Kernsportart sorgen. Für die Hammerwerfer soll im dunklen Stadion nur der Werfer zusammen mit dem Wurfgerät auch mit Hilfe der Lasertechnik angestrahlt werden. Wir sind alle gespannt, wie wir Werfer mit diesen ungewohnten Bedingungen zurechtkommen werden. Wir versuchen, diese Bedingungen in einer Trainingseinheit nachts auf der Löffinger Wurfanlage zu simulieren.